Battery Beats Juli 2026: Erlöse von stand-alone Batteriespeichern (BESS)
Solides Niveau – Erlöse von über 22 k € pro MW im Juli möglich
Abbildung 1: Berechnungsergebnisse zu den möglichen Erlösen (backtesting) eines 1 MW/2 MWh Batteriespeichers an den deutschen Strommärkten im Juli 2026 (Annahmen und Einschränkungen zu den Berechnungen können hier nachgelesen werden) [* durchschnittliche Leistungspreise]
Nach der deutlichen Erholung im seit April 2026 setzt sich der positive Trend im Juli auf etwas niedrigerem Niveau fort. Wie die Berechnung mit unserem Optimierungsmodell basierend auf den Preisen in den verschiedenen Strommärkten im Juli 2026 zeigt, hätte ein Batteriespeicher (1 MW/2 MWh) bei einer cross-market Optimierung und durchschnittlichen Leistungspreisen 22,6 k € erlösen können. Im Vergleich zum Juni 2026, in dem 27,5 k € erzielt werden konnten, entspricht dies einem Rückgang von 18 %, wobei das Niveau deutlich über dem des Vorjahresmonats Juli 2025 (19,3 k €) liegt.
Die dargestellten Erlöse bilden die theoretischen Potenziale unter perfekter Voraussicht über jeweils einen Tag ab und stellen damit eine Maximalabschätzung für die betrachteten Märkte dar. Zur Abschätzung eines realistischeren Erlöspotenzials ohne perfekte Voraussicht bilden wir die 80-%-of-perfect-Erlöse zusätzlich ab (Abb. 1 ganz rechts). Erlöse aus financial trading und aus der Vermarktung im aFRR-Arbeitsmarkt wurden nicht mitbetrachtet und stellen weitere Erlösoptionen dar.
Im Juli 2026 zeigt sich bei der Einzelmarktvermarktung, dass die kombinierte Vermarktung über Day-Ahead, Intraday-Auktion und kontinuierlichen Intraday-Markt (DA, IDA1 & ID1) mit 14,2 k € das höchste Erlöspotenzial unter den Großhandelsmärkten erreicht. Der kontinuierliche Intraday-Handel liegt mit 11,0 k € vor dem Day-Ahead-Markt (10,4 k €) und der Intraday-Auktion (10,0 k €). Im Regelenergiemarkt zeigt sich, dass der negative aFRR-Leistungsmarkt mit 13,5 k € die höchsten Potenziale bietet, gefolgt vom FCR-Markt (13,2 k €) und dem positiven aFRR-Markt (7,9 k €). Die 80-%-of-perfect-Erlöse einer cross-market Strategie liegen bei 18,1 k €.
Cross-market-Erlöse in den letzten 13 Monate im Überblick
Abbildung 2: Potenzielle Erlöse der cross-market-Strategie von Juli 2025 bis Juli 2026, nach Einzelmärkten aufgelöst [* durchschnittliche aFRR-Leistungspreise]
Zur wirtschaftlichen Bewertung eines Batteriespeichers sind insbesondere die potenziellen Erlöse einer cross-market Strategie relevant. Im Juli 2026 wären in unserem Modell damit Erlöse von 22,6 k € mit durchschnittlichen aFRR-Leistungspreisen erzielt worden. Davon wären ca. 43 % in den Großhandelsmärkten erzielt worden, wovon der größte Anteil auf den kontinuierlichen Intraday-Markt (5,4 k €) entfällt, gefolgt vom Day-Ahead-Markt (3,7 k €) und der Intraday-Auktion (0,6 k €). Der verbleibende Teil der Erlöse wird zu ca. 47 % im negativen aFRR-Markt (6 k €) verbucht, gefolgt vom FCR-Markt (5,2 k €) und dem positiven aFRR-Markt (1,7 k €).
Betrachtet man die Erlöse über die letzten 13 Monate (Abb. 2), lässt sich beobachten, dass der Juli 2026 gegenüber dem Vormonat Juni (27,5 k €) zwar einen Rückgang aufweist, aber deutlich über dem Vorjahresmonat Juli 2025 (19,3 k €) liegt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (in Abb. 2 ganz links) sieht man eine Steigerung der Gesamterlöse um 17 %. Auffällig ist die veränderte Zusammensetzung: Während im Juli 2025 die Großhandelsmärkte ca. 38 % der cross-market Erlöse ausmachten, stieg dieser Anteil im Juli 2026 auf ca. 43 %. Innerhalb der Regelleistungsmärkte zeigt sich eine Verschiebung: Der negative aFRR-Markt bleibt dominant, während der FCR-Markt anstieg und der positive aFRR-Markt weiterhin einen stabilen, geringen Anteil ausmachen.
Cross-market-Erlöse in Summe über die jeweils letzten 12 Monate
Abbildung 3: Rollierende potenzielle Erlöse der cross-market Strategie über jeweils 12 Monate von August 2025 bis Juli 2026, nach Einzelmärkten aufgelöst [* durchschnittliche aFRR-Leistungspreise]
Im Unterschied zu Abb. 2 zeigt Abb. 3 die potenziellen Erlöse einer cross-market Strategie eines Batteriespeichers nicht nur für den jeweiligen Monat, sondern rollierend über jeweils 12 Monate. Die rollierenden Gesamterlöse über 12 Monate belaufen sich im Juli 2026 auf 248 k €, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vormonat (244,7 k €) entspricht. Hier zeigt sich im Zeitverlauf, dass bei der cross-market Strategie der Anteil, den die Großhandelsmärkte am Gesamterlös ausmachen, nach einem kontinuierlichen Rückgang bis März 2026 zuletzt wieder leicht angestiegen ist.
Innerhalb der Regelleistungsmärkte zeigt sich, dass die Erlöse im positiven aFRR-Markt mit ca. 56 k € auf hohem Niveau verharren. Der FCR-Markt verzeichnet mit 31 k € einen leichten Anstieg. Im negativen aFRR-Markt liegen die Erlöse mit ca. 53 k € zwar immer noch auf einem relativ hohen Niveau, die Erlöse sind jedoch seit Ende 2025 deutlich zurückgegangen. Die Großhandelsmarkterlöse belaufen sich rollierend auf ca. 26 k € (DA), ca. 19 k € (IDA1) und ca. 63 k € (ID1).
Potenzielle Erlöse steigen im Vorjahresvergleich in fast allen Märkten
Abbildung 4: Veränderung der Erlöspotenziale eines stand-alone Batteriespeichers in den verschiedenen Märkten für Juli 2026 vs. Juli 2025 [* durchschnittliche Leistungspreise]
Vergleicht man die potenziellen Erlöse im Juli 2026 mit denen im Vorjahresmonat (Abb. 4), zeigt sich ein überwiegend positives Bild. Die Erlöse im Day-Ahead-Markt stiegen deutlich um 56 %, die Intraday-Auktion legte um 23 % zu und der kontinuierliche Intraday-Markt um 15 %. Die Erlöse aus kombinierter Vermarktung über DA, IDA1 und ID1 stiegen um 20 %. Im negativen aFRR-Markt stiegen die Erlöse um 15 % und der FCR-Markt verzeichnete einen deutlichen Anstieg von 32 %. Lediglich der positive aFRR-Markt verzeichnete einen Rückgang von 26 %. Die cross-market Strategie stieg insgesamt um 17 %.
Wesentlich für die unterschiedlichen Erlöse in den Großhandelsmärkten im Vorjahresvergleich sind insbesondere die durchschnittlichen täglichen Spreads an den einzelnen Märkten. Die durchschnittlichen täglichen Spreads sind im Juli 2026 am Day-Ahead-Markt gegenüber Juli 2025 um 61 % gestiegen, was den deutlichen Erlösanstieg in diesem Markt erklärt. In der Intraday-Auktion stiegen die Spreads um 30 %, während sie im kontinuierlichen Intraday-Markt nahezu konstant blieben (+1 %). Die Standardabweichung der Preise stieg im Day-Ahead-Markt um 73 %, in der Intraday-Auktion um 60 % und im kontinuierlichen Intraday-Markt um 39 %.
Der deutliche Anstieg der Day-Ahead-Spreads ist auf die stark gestiegene Einspeisung aus erneuerbaren Energien zurückzuführen. Die normalisierte Windeinspeisung lag im Juli 2026 um 42 % über dem Vorjahreswert, die normalisierte PV-Erzeugung um 37 % darüber. Dies führte vermehrt zu Überangebot in den Mittagsstunden und damit zu niedrigen oder negativen Preisen, während ausgeprägte Rampen am Morgen und Abend für Preisspitzen sorgten. Der Strom-Spotmarkt war im Juli 2026 insgesamt von außergewöhnlich hoher Volatilität geprägt, begünstigt durch hohe Temperaturen und die daraus resultierende Nachfrage nach Kühlung.
Der deutliche Anstieg im FCR-Markt (+32 %) setzt den positiven Trend der Vormonate fort. Der Rückgang im positiven aFRR-Markt (−26 %) bei gleichzeitigem Anstieg im negativen aFRR-Markt (+15 %) deutet auf eine Verschiebung der Regelleistungsnachfrage hin, die durch die hohe erneuerbare Einspeisung und die damit verbundene Überversorgung in den Mittagsstunden bedingt sein dürfte. Die geplante Einführung optionaler 15-Minuten-Produkte für die aFRR, die sich aktuell in der finalen Testphase befindet und für Oktober 2026 geplant ist, könnte die Marktdynamik in den kommenden Monaten weiter verändern.
Die Details zu dem Modell und den getroffenen Annahmen und Einschränkungen finden Sie hier.
Vergleich der Erlöse: 4-h- vs. 2-h-Speichersystem
Abbildung 5: Vergleich der potenziellen Erlöse eines stand-alone Batteriespeichers mit einer 4-h-Auslegung vs. 2-h-Auslegung im Juli 2026 [* durchschnittliche Leistungspreise]
Der Vergleich zwischen einem 4-h-Speichersystem und einem 2-h-Speichersystem zeigt im Juli 2026 deutliche Unterschiede je nach Vermarktungsstrategie. Bei der reinen Day-Ahead-Vermarktung liegt der Erlösvorteil des 4-h-Systems bei 77 %, bei der Intraday-Auktion bei 78 % und beim kontinuierlichen Intraday-Handel bei 72 %. Die kombinierte Vermarktung über DA, IDA1 und ID1 bringt einen Vorteil von 71 % für das 4-h-System. Bei den Regelleistungsmärkten zeigt sich erwartungsgemäß kein Unterschied, da hier die Leistung und nicht die Energiekapazität vergütet wird. Bei der cross-market Strategie fällt der Erlösvorteil des 4-h-Systems mit 28 % deutlich geringer aus als bei den reinen Großhandelsmarktstrategien. Dies liegt daran, dass die cross-market Strategie im Juli 2026 zu rund 54 % auf Regelleistungsmärkte setzt, bei denen die Speicherdauer keine Rolle spielt. Für Investoren bedeutet dies, dass die höheren Investitionskosten eines 4-h-Systems bei einer cross-market Strategie weniger stark durch Mehrerlöse kompensiert werden als bei einer reinen Großhandelsmarktstrategie. Bemerkenswert ist, dass die Erlösvorteile des 4-h-Systems an den Großhandelsmärkten im Juli 2026 deutlich höher ausfallen als in den Vormonaten, was auf die hohe Preisvolatilität und die damit verbundenen größeren Arbitragemöglichkeiten zurückzuführen ist.
Fazit und Ausblick
Der Juli 2026 markiert mit 22,6 k € (bzw. 18,1 k € 80%-of-perfect) eine solide Erlösbasis für die cross-market Strategie, die 17 % über dem Vorjahresmonat liegt. Haupttreiber dieser positiven Entwicklung ist der massive Anstieg der Preisvolatilität an den Großhandelsmärkten, insbesondere am Day-Ahead-Markt (+61 % bei den Spreads). Die um 42 % höhere normalisierte Windeinspeisung und die um 37 % höhere PV-Einspeisung gegenüber dem Vorjahresmonat führten zu größeren Preisschwankungen. Auch der FCR-Markt verzeichnete mit +32 % einen deutlichen Anstieg. Die rollierenden 12-Monats-Erlöse stiegen leicht auf 248 k € an und stoppen damit den seit November 2025 anhaltenden Abwärtstrend.
Für die kommenden Monate ist zu erwarten, dass die Erlöspotenziale stark von der Entwicklung der erneuerbaren Energieerzeugung und den daraus resultierenden Preisvolatilitäten abhängen werden. Die geplante Einführung optionaler 15-Minuten-Produkte für die aFRR könnte zusätzliche Erlösmöglichkeiten für Batteriespeicher eröffnen. Für Betreiber von Batteriespeichern bleibt die cross-market Strategie die wirtschaftlich attraktivste Option, wobei die Flexibilität zwischen Großhandels- und Regelleistungsmärkten entscheidend für die Erlösoptimierung ist.
Wir veröffentlichen zeitnah das nächste Update mit Details dazu, wie sich die Erlöspotenziale von Batteriespeichern im August gegenüber dem Vorjahresmonat verändert haben und welche Erlöspotenziale sich daraus für die letzten 12 Monate ableiten lassen.
Sie wollen besser verstehen, was unser Modell kann, haben inhaltliche Rückfragen, Anregungen oder eine Anfrage für ein konkretes Projekt? Kontaktieren Sie uns gerne.
Wenn Sie ein weitergehendes Interesse an Energiepolitik und Marktdesign sowie deren Rückwirkungen auf Geschäftsmodellen im Energiesektor haben, schlagen wir Ihnen auch unser neues Monatsbriefing Regulierung und Marktdesign vor.